20.08.2013
Das haben wir schon gemacht: Mini-Kreuzfahrt nach Newcastle, Kurzurlaub in Edinburgh mit eigenem Auto ... was fehlt ? Richtig Campingurlaub in
Schottland mit unserem Wohnwagen. Und weil die DFDS diesen sogar kostenlos mitnimmt, haben wir kurzentschlossen die Überfahrt gebucht. Unsere erste Etappe führt uns ganz entspannt von Dinslaken Richtung Amsterdam / Ijmuiden. Die 200 km sind locker in 3 Std. zu schaffen und wir haben beim Check-In an der Fähre viel Zeit. Trotz gemütlicher Fahrt sind wir überpünktlich ... dafür ist der Check-In unspektakulär. Das Wetter ist schön sonnig und warm, dank Internet-Stick haben wir Verbindung mit der ´Außenwelt´. Einige Zeit später ist unser Gespann im Bauch der Fähre verschwunden.
Wir beziehen unsere Kabine auf der ´Princess Seaways´ und haben den Vorteil, dass wir als eine der ersten an Bord kommen d.h. wir können es uns gleich auf dem Sonnendeck / Sky Bar gemütlich machen und uns die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Diese Überfahrt von Ijmuiden nach Newcastle ist mit Abstand die bisher ruhigste (das hätte sogar unseren Kindern gefallen), das Meer ist wirklich spiegelglatt, gerade mal leicht gekräuseltes Wasser und das während der nächsten 16 Stunden. So können wir die Seereise zu Beginn unseres Urlaubs genießen.




21.08.2013
Wir laufen pünktlich in die Tyne-Mündung und den Hafen von Newcastle ein. Kurios - jetzt sind wir in Newcastle und unsere Tochter auch ... allerdings gut 16.000 km entfernt auf der anderen Seite des Globus. Schön: die Umstellung auf den Linksverkehr ist problemlos, auch mit dem Anhänger am Haken, vorteilhaft dabei, im eigenen Auto zu sitzen, wenn auch auf der ´falschen´ Seite.
Nun machen wir uns auf den Weg nach Edinburgh, hier wollen wir unseren Sohn morgen ´einsammeln´, er hat es vorgezogen den Flieger zu nehmen (die Erfahrungen der Überfahrt 2011 waren wohl doch zu heftig).

Auf dem Weg in die schottische Hauptstadt machen wir einen kurzen Zwischenhalt an der Abtei von Jedburgh (nicht so ideal mit Gespann). Die Abtei aus dem 12. Jahrhundert liegt rund 10km nördlich der schottisch-englischen Grenze und gilt als eines der schönsten Beispiele normannischer und frühenglischer Architektur. Weiter geht´s im Anschluss nach Dùn Èideann
 ...

First of all - Mortonhall, der erste Campingplatz in Edinburgh. Es ist (noch) Festival-Zeit, deshalb ist der Platz wohl auch kein Schnäppchen. 31 £ für zwei Personen pro Nacht sind schon ein stolzer Preis, nicht nur für geizige Schotten ...

Erste Aktion - quer mit dem Auto durch Edinburgh zum Einkaufen und um eine SIM-Karte für die Verbindung nach Australien (zu unserer Tochter) zu besorgen. Im Nachhinein betrachtet eine extrem sinnvolle Investition - 10 £ für 30 Tage bei einem Volumen von 1 GByte, da können Handy und WhatsApp glühen. Vor allen Dingen ist das Netz von T-Mobile in UK sehr gut abgedeckt. Der Surftstick im Vodafone-Netz ist hingegen ein Flop, ein Netz zu finden ist echte Glücksache. Die Sonne scheint immer noch - so kann es bleiben ...

Übrigens: die Stellplätze auf der brit. Insel sind doch so ziemlich anders, als wir es gewohnt sind - es gibt häufig ´hard stands´, gekieste o. verdichtete Stellflächen, das Auto steht auf der Wiese und Vorzelte/Markisen gibt es so gut wie gar nicht (wird auch oft gesondert berechnet)





22.08.2013

Bis zur Ankunft unseres Sohns um 17.00 Uhr am Airport von Edinburgh haben wir viel Zeit. Wir wollen in den Norden der Stadt an den Firth ofForth nach Cramond. Dem Örtchen vorgelagert ist eine kleine Insel, die bei Ebbe zu Fuß zu erreichen ist. Heute machen wir aber Bekanntschaft mit dem britischen Nebel ... es ist nicht kalt, aber am Strand kann man das Wasser eigentlich nur erahnen. Etwas unheimlich ist die Szenerie schon, man hört die Nebelhörner der Schiffe auf dem Firth, sieht aber absolut nichts. Dafür hört man, dass die Flut langsam aber stetig in den Meeresarm läuft. Innerhalb einer halben Stunde ist der Fußweg (soweit man ihn überhaupt sehen kann) überflutet, man bekommt ein leichtes Gefühl dafür, wie es Wattwanderern gehen muss, die von der auflaufenden Flut überrascht werden. Wir fahren weiter zur Forth Rail Bridge ... wie sie aussieht haben wir vor zwei Jahren gesehen, heute können wir sie nicht einmal erahnen - direkt unter der Brücke stehend kann man lediglich 4 Stützpfeiler erkennen, die gesamte Brückenkonstruktion bleibt im Nebel verborgen. Trotzdem kommt unser Sohn pünktlich an, jetzt ist unsere ´Reisegruppe´ komplett, wir können weiter ... natürlich erst morgen.








23.08.2013
Der Nebel hat sich weitgehend verzogen - heute geht es in den Norden. Wir kehren Edinburgh den Rücken und fahren -nun zu dritt- unser erstes Ziel an der Nordküste an - Portsoy. Lange haben wir überlegt, welche Route wir wählen, entweder durch die Highlands am Ufer des Spey vorbei (an dieser Strecke liegt das Blair Castle) oder aber an der Ostküste entlang Richtung Aberdeen, die Entfernung ist nahezu identisch. Da wir zwischenzeitlich erfahren haben, dass im Blair Castle an genau diesem Wochenende ein internationales Reitturnier stattfindet, entscheiden wir uns für die ´leichtere´ Strecke an der Ostküste entlang. Auf diesem Weg machen wir dann noch Halt am Dunnottar Castle ... das soll tatsächlich toll aussehen - wir sehen es allerdings nicht, weil sich einige Kilometer vor Stonehaven die Wolken bis auf das Straßenniveau herunter begeben. Man sieht fast die Hand vor Augen nicht ... und ein Castle schon gar nicht.
Nur über einen steilen Abstieg zum Kieselstrand und einen ebenso steilen Treppenanstieg ist der Eingang zu erreichen. Das Castle ist in puncto Lage laut Reiseführer kaum zu toppen - das fiel auch der Filmindustrie auf, hier entstanden Teile der Hamlet-Verfilmung mit Mel Gibson & Glenn Close. Die scheinbar uneinnehmbare Festung machte das Schloss im Jahr 1651 zum idealen Versteck für die schottischen Kronjuwelen.

Wir fahren weiter nach Portsoy, der Campingplatz ist ein überschaubares Wiesengelände direkt am Gezeitenstrand. Die Preise werden deutlich gemäßigter - mit 3 Erwachsenen zahlen wir gerade noch 17 £ pro Nacht. Portsoy ist einer der ältesten Häfen an der Nordostküste Schottlands. Neben der Heringsfischerei wurde der Hafen vor allen Dingen für das Verschiffen des ´Portsoy Marble´ benötigt, der sogar im Schloss von Versailles verbaut wurde.
In der Nähe liegt die Whisky-Destillerie von Glenglassaugh, die 1986 geschlossen und erst 2008 wieder eröffnet wurde. Aus diesem Grund existieren im Wesentlichen nur ´alte´ Whiskys (>30 J.) die dann allerdings zu vierstelligen Preisen gehandelt werden. Deshalb kann man es sich wohl  auch leisten, für die Besichtigung zwischen 5-30 £ zu verlangen. Andere Destillerien zeigen aber auch gerne kostenlos, wie und was sie produzieren .. dazu später mehr.


24.08.2013
Von Sonne ist nicht viel zu sehen - demnach dann wohl auch nicht allzuviel von der Umgebung. Also stehen heute eher Besichtigungen (indoor)
auf dem Programm. Und was bietet sich dazu in Schottland an ? Richtig - eine waschechte ´Distillery´ und dazu gleich die größte im ´Tal des Hirschen´ - der Name ´Glenfiddich´ ist da dann schon geläufiger. Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall - lehrreich, locker, informativ ... ein erstes Highlight auf unserer Tour. Auch der Gaumen kommt zum Abschluss nicht zu kurz, wirklich interessant was 12, 15 oder 18 Jahre Lagerung ausmachen. Nächste Station ist dann die weltweite Nr. 2 im Geschäft der Malt-Whiskies ´The Glenlivet´ Hier ist alles irgendwie ´professioneller / industrieller´ dafür aber auch nicht so ´urig´. Für sich genommen wäre die Tour zwar auch informativ gewesen, an die Tour von ´Glenfiddich´ kommt sie allerdings bei Weitem nicht heran. Interessant und ´hochgeistig´ war es allerdings auch hier ... 12, 15 und 18 Jahre sind hier die Standard-Reifezeiten, mir persönlich sagt der 15-jährige ´Glenlivet´ am meisten zu (Nachreifung in neuen, aromastarken, Limousin-Eichenfässern aus der Dordogne)

´Rome was built on seven hills, Dufftown on seven stills´ (=Brennblasen). Hätte ein gewisser William Grant nicht 1887 die Glenfiddich-Destillerie gegründet, wäre der Ort sicherlich ein unbedeutendes Nest geblieben, heute ist es auf dem Festland die Hauptstadt des Whisky. Hier eine interaktive Karte rund um den Malt-Whisky und seine Destillerien.

Auf dem Rückweg machen wir kurz Halt in Portknockie um den ´Bowfiddle Rock´ zu besichtigen. Im Sonnenschein sieht der Felsen sicher um einiges interessanter aus, als bei Nieselregen. Aber - wir waren zumindest da. Leider lässt uns das Wetter heute ziemlich im Stich (deshalb war die Whisky-Tour schon ganz gut gewählt), So machen wir uns dann am Ende einer langen Tagestour auf den Rückweg nach Portsoy. Zwar lässt der Regen wieder etwas nach, aber das Wetter macht dennoch keine Lust auf weitere Unternehmungen. Mehr als ein kurzer Spaziergang zum Hafen (einfach nur dem Weg über unseren Campingplatz folgend - der Weg ist gleichzeitig Hafenzufahrt) ist nicht drin, dann stellt sich erneut das ´Standardwetter´ ein.






25.08.2013
Heute soll es sonnig werden, deshalb haben wir uns den Besuch der umliegenden Strandabschnitte auch für diesen Tag aufgespart. Nach dem Frühstück geht es nach Banff / Macduff, nur die Sonne scheint den Start etwas verschlafen oder den Kampf gegen Dunst und Wolken noch nicht so richtig aufgenommen zu haben. Ein kurzer Besuch im Hafen von Banff, dann geht es zur Spey Bay. Zwischendurch zeigt sich dann tatsächlich die Sonne, um dann rechtzeitig vor der Bucht mit ihrem Delfin-Beobachtungs-Posten wieder im Grau des schottischen Nebels zu verschwinden. Delfine sehen wir leider nicht - vielleicht haben wir ja das Glück in den nächsten Tagen (morgen soll es dann weiter bis nach Inverness gehen). Wir fahren langsam zurück Richtung Portsoy, machen noch Station in Cullen, ein Küstenort, der von Viadukten einer alten -längst stillgelegten- Bahnlinie geprägt wird. Wieder mal etwas Sonne lädt zum ersten richtigen Strandspaziergang ein ... langsam zieht es sich dann wieder einmal zu, als wir uns auf den Rückweg machen.
Und nun wird mal etwas am Reisetagebuch geschrieben - fast müßig zu erwähnen, dass es hier in Portsoy innerhalb von einer guten halben Stunde so neblig geworden ist, dass die Bucht vor dem Campingplatz als solche nicht mehr zu erkennen ist. Wir trösten uns mit der Hoffnung, dass die Aussichten für Inverness eigentlich ganz positiv sind - hoffentlich weiß die Sonne das auch.







26.08.2013
Wir verlassen Portsoy ... vom stahlblauen Himmel lacht die Sonne. War das in den letzten Tagen nicht möglich ? Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir Bunchrew bei Inverness. Im Gegensatz zu den Örtchen in den letzten Tagen sind wir wieder in einer ´Großstadt´ d.h. hier gibt es die Möglichkeit, im Supermarkt einzukaufen z.B. bei Lidl (gibt es genau so wie ALDI überall) und die Vorräte für die kommenden Tage aufzufüllen. Klar, wir sind nicht so weit von der ´Zivilisation´ entfernt, dass wir auf etwas verzichten müssten, aber Supermärkte, so wie wir sie kennen, gibt es nun nicht überall. Inverness (gälisch: Mündung des Ness) ist die ´Hauptstadt´der Highlands, hier wohnt ein Viertel der schottischen Highlander.
Der Bunchrew-Caravan-Park ist ganz passabel, was in Schottland wirklich selten zu sehen ist, sind
Vorzelte oder Markisen. Hier hätten wir auch den Platz dazu (reine Wiese - kein ´hard stand´) andererseits lohnt sich der Aufbau für uns auch nicht.

Bei windigem Wetter, das aber immerhin Sonnenschein bietet, fahren wir nach Rosemarkie. Dieses Örtchen ist ebenfalls für seine Delfine bekannt. Angeblich weltweit (!) einer der besten Punkte, um die Meeressäuger von Land aus beobachten zu können. Wir warten und warten, was sich nicht zeigt, sind die Delfine. Noch eine weitere halbe Stunde - nichts. Okay, noch eine Viertelstunde, dann gehen wir - so unsere Entscheidung. Wir sind quasi im Aufbruch, als das nicht mehr Erwartete geschieht - hinter einem Frachter der den Moray Firth verlässt, zeigen sich mehrere Rückenflossen, tauchen ins Wasser, tauchen wieder auf. Elegant ziehen die Delfine durchs Wasser, springen ... etwa eine halbe Stunde beobachten wir das Treiben, bevor sie sich langsam entfernen ... und wir zurück zum Campingplatz fahren.




27.08.2013
Heute haben wir den nördlichsten Punkt unserer Route ins Auge gefasst - Ullapool an der Westküste. Gut 60 Meilen geht es durch die Highlands, die Landschaft ist wirklich atemberaubend. Sanfte grüne Hügel, schroffe Felsen, Bachläufe und Wasserfälle und dazu ständig wechselndes Licht, Sonne, Wolken, Nebelschwaden.

Kurz hinter der einzigen Abzweigung auf der Straße (Breamore Junction) nach Ullapool führt ein Wanderweg von einem großen Parkplatz hinab zur spektakulären Corrieshalloch Gorge mit den 45m hohen Falls of Measach. Die Hängebrücke mag nicht besonders vertrauenerweckend wirken, doch keine Sorge, sie wurde von Sir John Fowler erbaut, einem der Architekten der Forth Railroad Bridge.

Ullapool selbst hat jetzt nicht wirklich viel zu bieten ... doch, ein ganz hervorragendes´Take-away´ mit den traditionellen Fish & Chips, es schmeckt wirklich ausgezeichnet (war schon alleine den Weg wert) Es steht sogar im Reiseführer - gutes Essen gibt´s im ´Seaforth´ ... nach der Portion (im Regenschauer im Auto zu uns genommen) waren wir sowas von satt, da hätte ein Single Malt zur Verdauung gut getan.


Ullapool am Loch Broom ist Fischereihafen und Fährhafen zu den ´Äußeren Hebriden´ und ein Musikzentrum an der Schottischen Westküste. Hier findet alljährlich ein Festival statt, bei dem schon internationale Künstler aufgetreten sind: Franz Ferdinand, Amy Mac Donald, Mumford & Sons

Da es einfach zu viele Ziele für zu wenig Zeit gibt, verkürzen wir unseren Aufenthalt und planen, bereits am morgigen Mittwoch weiter Richtung Skye zu fahren, auch weil der Wetterbericht nicht mehr ganz so gutes Wetter verheißt.


28.08.2013
Von Inverness machen wir uns auf den Weg nach Kyle of Lochalsh, direkt an der Brücke zur Insel Skye (die dadurch seit 1995 fast keine Insel mehr ist) Die Strecke von gut 80 Meilen legen wir zu einem Großteil am Loch Ness zurück - von ´Nessie´ allerdings keine Spur. Die letzten Meilen bis Kyle zwingen immer wieder zum Anhalten. Die Landschaft ist einfach fabelhaft. So dauert es etwas länger bis wir am Caravan-Park in Reraig ankommen, ein gepflegtes Wiesengelände. Die ´Regeln´ sind einfach ... einen der ´Hardstands´ (die geschotterten Stellflächen) aussuchen und zwischen 17.00 - 22.00 beim ´Chef´ anmelden bzw. bezahlen.

Wir haben genügend Zeit und fahren, nachdem wir den Wohnwagen abgestellt haben, zurück zum Eilean Donan Castle, der wohl bekanntesten Burg der Highlands (Drehort für die Filme:´Der Highlander´ und ´James Bond: Die Welt ist nicht genug´) Auch der Besuch des Inneren lohnt sich, da die Burg sehenswert restauriert wurde. Nach unserer Rückkehr von der Besichtigung melden wir uns beim ´warden´ an, schwatzen noch etwas (insbesondere erkundigen wir uns nach dem Wetter, weil es morgen nach Skye gehen soll). Leider sind die Aussichten für die kommenden Tage nicht besonders, aber wir werden das Beste daraus machen.




29.08.2013
Der Morgenhimmel bietet Nebelschwaden und Wolken mit Sprühregen - Minuten später aber wieder Sonne und Wolkenlücken. Wenn das Wetter auf Skye genau so sein sollte, dann sollte der großen Tagestour über die Insel nichts im Wege stehen. Über die Skye-Bridge erreichen wir problemlos die Insel und erleben die kompletten Highlands im ´Kleinen´ - tief eingeschnittene Lochs und Meeresarme, sanfte Hügel, steile Felsen. Diese Kulisse mit wechselndem Licht, mal sonnenbeschienen im nächsten Moment wieder von Wolkenfetzen durchzogen, die höheren Gipfel in Wolken gehüllt - eine wirklich beeindruckende Landschaft. Eigentlich könnte man nach jedem Anstieg auf der Straße oder jeder neuen Kehre anhalten und aus dem Auto aussteigen. Wir belassen es bei einigen Stationen, einem Wasserfall ... Portree, den Hauptort der Insel lassen wir zunächst hinter uns und fahren die Küste weiter nach Norden, vorbei am ´Old Man of Storr´ bis hin zum ´Kilt Rock´. Erst auf dem Weg zurück machen wir Halt in Portree. Hier in Portree kaufen wir ´Snacks´, testen die (in ganz UK immer wieder hervorragenden) öff. Sanitäranlagen und  haben dann aber noch ein weiteres Ziel im Auge - Talisker, die einzige Whisky-Destillerie auf der Insel. Die kürzeste Strecke führt über 9 Meilen quer durchs Nirgendwo ... eine Single-Track-Road vom Feinsten, in regelmäßigen Abständen bietet die Straße, die kaum breiter ist als unser Auto, Ausweichstellen für den möglichen (und tatsächlichen) Gegenverkehr. Offensichtlich ungeschriebenes Gesetz in Schottland: man grüßt und bedankt sich freundlich bei der Begegnung auf diesen Straßen. Ihre eigenen Gesetze haben da die Schafe, die manchmal auch die Straße für sich entdecken, immer nur im feuchten Gras zu stehen macht ja auch nicht dauerhaft Spaß. Die Straße wirkt, als habe jemand einen grauen Gürtel wahllos über die Landschaft gebreitet. Wir erreichen die Destillerie etwas zu spät, es ist zwar noch geöffnet, aber die Führungen für diesen Tag sind bereits ausgebucht ... nun ja, dann legen wir halt die 21 £  (ja, hier müsste man für die Führung bezahlen) in etwas ´Flüssigkeit´ an und genießen die Rückschau auf den Urlaub (der natürlich noch nicht zu Ende ist) demnächst bei einem (hoffentlich) guten Tropfen ... übrigens ´Johnnie Walker´ stammt zu einem Großteil aus den Fässern Talisker´s (ist aber ja auch ein ´Verschnitt´ -sprich: zusammengemischt-  und kein ´reinrassiger´ Whisky)


30.08.2013
Alles richtig gemacht ... da wo gestern noch Berge inmitten der Wolkenschleier zu erahnen waren, ist heute einheitliches Grau und nicht mal der Ansatz eines Berges. Darüber hinaus liegt die Luftfeuchtigkeit bei geschätzten 110% , sprich es ist einfach nur ´Sauwetter´ - gut, dass wir gestern auf Skye waren, heute hätte uns das Wetter einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Wir verlassen den Campingplatz in Reraig und haben als heutiges Ziel Corpach in der Nähe von Fort William an Fuße des Ben Nevis (mit 1344m der höchste Berg Schottlands/Groß-Britanniens). Das Wetter wird allerdings nicht besser, es bleibt ´feucht´ - kurz vor Ende der etwa 80 Meilen langen Strecke zeigt sich zwar kurz die Sonne um dann jedoch wieder dem tristen Nieselregen und den grauen Wolken, die an den Bergmassiven hängen, Platz zu machen. Für 2 Tage beziehen wir Quartier auf dem Campingplatz am Ufer des Loch Eil. Von hier aus führt uns eine kurze Tour zum nahegelegenen Glenfinnan Viadukt, einem Eisenbahnviadukt über das tagtäglich ein Dampfzug auf der Strecke Fort William - Mallaig rattert. Dieses Bauwerk hat übrigens kurz im 2. Harry-Potter-Film ´mitgewirkt´ (also noch ein Drehort für einen Kino-Film) Wie sollte es anders sein ? Im schottischen Nieselregen (der zwischenzeitlich auch mal intensiver wird) warten wir etwa eine halbe Stunde auf das Erscheinen des Zuges, er kommt immerhin pünktlich und gut 30 Sekunden später ist der Spuk auch schon wieder vorbei.

Von hier aus geht es nun zum Einkaufen nach Fort William, wir müssen mal Vorräte für die nächsten Tage bunkern und hier am größten Ort in der weiteren Umgebung ist die beste Gelegenheit. Am Abend lässt sich dann tatsächlich noch die Sonne blicken und beleuchtet die Hänge des Ben Nevis, außerdem bietet sich noch einmal die Gelegenheit, den Dampfzug zu fotografieren, die Brücke der Zufahrt zum Campingplatz führt direkt über die Bahnlinie (ist natürlich nicht so ´spektakulär´ wie am Viadukt, dafür aber trockener und sogar zu Fuß zu erreichen. Mal sehen, was der morgige Tag bringt - unsere Aktivitäten müssen wir vom Wetter abhängig machen.

Bei einem derartigen Wetter ist schon mal ein guter Schluck angesagt. Den kaufen wir -ganz preisbewusst- einfach im Supermarkt in Fort William (weil er gerade im Angebot ist). Später bestätigt man uns, dass die Destillerien und Läden mit den Supermärkten preislich natürlich nicht mithalten können, da hilft es nur, dass diese sich dann auf Whiskys abseits des Massengeschäfts spezialisieren - slàinte mhath  (sprich: schlan-che maa) oder einfach: Prost !

Am Abend reißen dann tatsächlich die Wolken noch auf, präsentieren einen spektakulären Himmel und lassen für den morgigen Tag etwas Hoffnung aufkommen



31.08.2013
Der August geht nun zu Ende und in der Nacht hat´s richtig ´gepladdert´ ... also keine allzu großen Erwartungen an den heutigen Tag. Darüber hinaus war es dann durchaus schattig, die Morgentemperatur beträgt 11°C - Regen- und Nebelfetzen, die durch die Landschaft ziehen - das kennen wir ja nun schon. Trotzdem machen wir uns zunächst auf den Weg zu Neptune´s Staircase einer Schleusentreppe von 8 Kammern bzw. 9 Toren am Ende des Caledonian Canal ... das andere Ende hatten wir in Inverness gesehen. 
Auf knapp 400m Länge werden 19m an Höhe überwunden. Für jede komplette Schleusung wird über 1 Mio. Liter Wasser bewegt. Der Kanal verbindet die schottische Ost- mit der Westküste. Nur etwa ein Drittel des Kanals wurde künstlich geschaffen. Er verläuft, beginnend im Nordosten bei Inverness, durch folgende natürliche Gewässer: Moray Firth (Nordsee), River Ness, Loch Dochfour, Loch Ness, Loch Oich, Loch Lochy, Loch Linnhe und Firth of Lorne (Atlantischer Ozean). Auf der Gesamtlänge von 97 km gibt es insgesamt 29 Schleusen.

Noch hüllt sich der höchste Berg der brit.Inseln, der Ben Nevis (1344m - ´Berg des Himmels´ o. ´Giftiger Berg´) in Wolken. Zwar pilgert bei schönem Wetter eine wahre Prozession den Berg hinauf, die gut 7-stündige Tour ist aber nicht zu unterschätzen, weil sich das Wetter ständig ändern kann. Wir machen vorher noch einen Abstecher zum ´Inverlochy Castle´ einer Burg -inzwischen Ruine- aus dem 13.Jahrhundert, die hier an strategisch bedeutender Stelle erbaut wurde.

Danach
fahren wir weiter bis zum Ben Nevis-Information-Center und stellen fest, dass man im Tal noch deutlich weiter fahren kann. Das Wetter meint es überraschend gut mit uns, die Sonne zeigt sich immer länger und der graue Himmel reißt großflächig auf.  So fahren wir die Straße, die längst wieder zur Single-Track-Road geworden ist bis zum Ende des Talbodens, vorbei an Wasserfällen und einem beeindruckenden Gebirgspanorama, das den Vergleich mit alpinen Regionen sicherlich nicht scheuen muss. Am letzten Parkplatz zeigt auch das Navi, hier ist Ende, hier führt jetzt nur noch ein 15-20 Meilen-Pfad zu Fuß weiter. Wir gehen ein Stück des Weges, genießen die Hochgebirgswelt bevor wir uns auf den Rückweg machen. Bevor es zurück zum Campingplatz geht, machen wir einen ´Stadtbummel´ in Fort William, es gibt immerhin eine richtige Fußgängerzone ... Fort William ist der Zielpunkt eines der bekanntesten Fernwanderwege Schottlands, dem West Highland Way. Außerdem ist Fort William auch der Startpunkt des Great Glen Ways, der unter anderem Loch Ness passiert und nach Inverness führt. Fort William ist zudem der wichtigste Busknotenpunkt in den westlichen Highlands und Ziel der meisten Buslinien in der Region. Es gibt Verbindungen nach Glasgow, Edinburgh und Inverness, aber auch in den dünn besiedelten Norden Schottlands bis hin zu landesweiten Zielen in England.

Die Aktivitäten sind für diesen Tag damit aber immer noch nicht beendet - wir fahren am Ufer des Loch Linnhe Richtung Süden und nehmen nach einigen Meilen eine Autofähre die uns an das andere Ufer übersetzt, von dort aus geht es dann über einen weiteren abenteuerlichen Single-Track (auf der anderen Seite des Loch Eil) zurück bis zum Campingplatz.




01.09.2013

Heute verlassen wir die Highlands, die sich ´standesgemäß´ von uns mit einem ´weinenden Auge´ verabschieden. Mit unserer Tour gestern haben wir wieder alles richtig gemacht - heute wäre sie sprichwörtlich ins Wasser gefallen. Bis zum Ende des Loch Lomond in Balloch wollen wir heute kommen, leider präsentiert sich das Glencoe in diesem Wetter zwar ´dramatisch´ aber bei Sonne hätte die Landschaft sicherlich nochmal so gut ausgesehen. So bleiben leider nur ein paar Bilder von wolkenverhangenen Bergen in einer Landschaft, die ihresgleichen sucht. Nach gut 3 Stunden, die nächste Überraschung - der Campingplatz hat keine Möglichkeit, uns für 3 Nächte unterzubringen und von hier aus wollten wir unseren Sohn möglichst ´problemlos´ am Flughafen in Glasgow absetzen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als einen Stadtcampingplatz in Glasgow auszuwählen, verbunden mit dem Nachteil, am Mittwoch quer durch die Stadt zum Flughafen zu müssen. Großer Vorteil - Free-WiFi ... nach Wochen der Entbehrung´ ein echter Lichtblick ... Morgen soll es dann nach Glasgow in die Stadt gehen ...




02.09.2013


Abenteuer Scottish Railway ... Wir laufen vom Campingplatz zur Railway Station und fahren mit einem etwas urtümlichen Dieseltriebwagen nach Glasgow ... eine Viertelstunde Fahrt und wir erreichen Queen Station. Von dort aus liegt das Rathaus von Glasgow nur einen Steinwurf entfernt, das Treppenhaus in diesem Gebäude ist wirklich sehenswert ... Nelson Mandela war schon da - wir jetzt auch. Allerdings haben wir keine Geschenke hinterlassen ... dafür geht´s dann als nächstes (das gehört natürlich zu einer Großstadt) auf die ´Shopping-Meile´. Im Anschluss daran noch etwas ´Kultur´ - die Necropole und die Kathedrale, bevor wir mit ziemlich platten Füßen wieder am Bahnhof ankommen und -ebenfalls Großstadt-like- Fastfood genießen und dann wieder in den Zug steigen. Der macht allerdings nicht den Eindruck, als ob er die paar Meilen bis in die Vororte noch schafft ... tut er allerdings doch.





03.09.2013

Ein strahlend blauer Himmel - Gelegenheit zu einem Ausflug ins ´Umland´. Zunächst zum Falkirk Wheel, einem spektakulären Schiffshebewerk östlich von Glasgow, im Anschluss daran noch nach Stirling und dem Castle - hier waren wir bereits im Herbst 2011 mit unseren Kindern.
Am westlichen Stadtrand von Falkirk überwinden zwei Schleusenkammern einen Höhenunterschied von 35m um den Forth & Clyde Canal und den Union Canal zwischen Glasgow und Edinburgh miteinander zu verbinden. Früher waren zum Ausgleich des Höhenunterschieds elf Schleusen
notwendig, bis man im Mai 2002 dieses Hebewerk in Betrieb nahm (Eröffnet durch die Queen anlässlich ihres Goldenen Thronjubiläums) Die Baukosten betrugen 17 Mio.£






04.09.2013
Frühes Aufstehen ist heute angesagt, unser Sohn verlässt uns von Glasgow aus über Birmingham in Richtung Heimat. In Glasgow eingekleidet, edlen Whisky zumindest schon im Wohnwagen stehen (den bringen wir natürlich mit) ... Urlaubsziel erreicht. Entgegen unseren Befürchtungen ist der Weg quer durch den Berufsverkehr zwar nicht völlig reibungslos und staufrei, aber üblicherweise soll es hier viel schlimmer sein.
Der Junior ist abgesetzt und hat eingecheckt, also zurück nach Stepps und den Wohnwagen auf den Haken genommen (das bedeutet zwar jetzt den doppelten Weg, aber mit Gespann wollten wir nicht unbedingt zum Airport). Uns zieht es jetzt weiter an die Westküste - unser nächstes Ziel ist Ayr eine Kleinstadt mit Seebad-Atmosphäre. Das Wetter meint es gut mit uns, strahlender Sonnenschein bringt noch einmal richtiges ´Urlaubsfeeling´ am Strand, da stört Windstärke 5-6 eigentlich kaum noch. Vor dem ´Stadtbummel´ haben wir uns auf abenteuerlichen Feldwegen zur Bracken Bay direkt hinter unserem Campingplatz aufgemacht - absolut menschenleer (o.k. auch reine Natur, kein Strand, der zum Baden einlädt ... auch kein Wunder bei 16°C Wassertemperatur) Der Sonnenuntergang über den Inseln Kintyre und Arran fällt dann leider aus - schön war der Sommertag (und immerhin haben wir schon September) dennoch.
Ayr ist mit 46.000 Einwohnern die größte Stadt im Südwesten, liegt am gleichnamigen Fluss und hat der Grafschaft ihren Namen gegeben. Ein reizvolles Städtchen mit einem sehr schönen Strand und einer sehenswerten Seepromenade, die (glücklicherweise) nicht bebaut werden darf.
Im Zentrum finden sich einige versteckte ´Hinterhöfe´ in der sich Gastronomie entdecken lässt



05.09.2013
Strahlend blauer Himmel - wenn das kein Tag für einen Ausflug ist. Dafür müssen wir dieses Mal nicht einmal besonders weit fahren (o.k. 10 Meilen sind hier ja gar keine Entfernung) Für heute haben wir geplant, das Culzean Castle zu besichtigen (die korrekte Aussprache schenken wir uns) und das setzen wir jetzt in die Tat um. 15 £ pro Person sind zwar eine stolze Summe, aber letztendlich jeden Penny wert. Leider durfte innerhalb der Gemäuer nicht fotografiert werden, aber der Besuch hat sich wirklich bzw. trotzdem gelohnt.
Culzean Castle wurde Ende des 18.Jh. über den Klippen des Firth of Clyde für David Kennedy -Earl of Cassilis- erbaut. Im Jahr 1945 wurde das Castle von den Kennedys an den National Trust for Scotland (NTS) übergeben, der es bis heute vermarktet und unterhält. Als Anerkennung der Verdienste während des Zweiten Weltkrieges um die Befreiung Großbritanniens wurde dem General und späteren Präsidenten Dwight D. Eisenhower bereits zuvor von den Kennedys das oberste Stockwerk auf Lebenszeit zur Verfügung gestellt. Eisenhower kam öfter nach Culzean und man legte ihm eine direkte Telefonleitung ins Weiße Haus. Wenn man heute den Hörer abhebt, geht allerdings nicht mehr Barack Obama ans Telefon.


Auf dem Rückweg fahren wir zunächst noch etwas die Küste
entlang, in Turnberry machen wir kurz Halt, hier scheint (einschließlich der Bebauung) alles auf Golf eingestellt zu sein. Das Turnberry Golf Resort gehört inzwischen Donald Trump. Die Übernachtung für zwei Personen kostet derzeit (ab) knapp 500 £ . Golf - der Volkssport in Schottland, kaum ein Ort, der nicht über einen eigenen Platz verfügt. Turnberry zählt aber wie Troon oder St.Andrews zu den Exklusivsten.

Bevor es zurück zum Campingplatz geht finden wir noch eine kleine Seitenstraße, die eigentlich zum Strand führen müsste - was sie dann auch tut, auch wenn der Weg doch ziemlich abenteuerlich ist. Am Ende der Straße gibt es dann sogar einen Parkplatz und so etwas wie einen öffentlichen ´Naturstrand´ - von hier aus hat man einen schönen Blick auf das Culzean Castle, das hoch auf einem Felsen über der Bucht thront.

Am Abend zeigt sich dann sogar noch so etwas wie ein Sonnenuntergang, das ist allerdings nicht der Grund weshalb wir eine weitere Nacht hier in Ayr bleiben wollen -eigentlich wollten wir bis nach Dumfries weiterfahren- vielmehr haben wir rechtzeitig die Wetteraussichten gelesen (dem Internet sei Dank) und erfahren, dass dort bis zum Samstag eine Unwetterwarnung wegen Starkregen besteht und in Ayr sieht es danach deutlich besser aus, also bleiben wir eine weitere Nacht (unsere tolle Platzrechnung wird aber nicht korrigiert, wir zahlen einfach nochmal 25 £.)


06.09.2013
Zumindest für unseren Bereich hat sich die Wettervorhersage bewahrheitet, es ist zwar bedeckt aber halbwegs trocken. Wir besuchen Alloway, einen kleinen Ort, der von der Geburt und dem Leben von Robert Burns, DEM schottischen Dichter schlechthin, geprägt ist. Robert Burns ? Nie gehört ... mag sein, aber sein ´Auld lang syne` (=Nehmt Abschied Brüder ...) kennt ja wohl fast jeder.

Das alleine würde seinen Stellenwert aber nicht erklären - die Schotten wählten ihn zum wichtigsten Landsmann aller Zeiten. Er steht immer wieder im Mittelpunkt, wenn es um schottische Literatur geht - kein Wunder bei rund 600 Gedichten und Liedern, die er geschaffen hat.

Die Alloway Auld Kirk und die Brig o´Doon spielen die Hauptrolle in Burns lustig-schaurigem Werk ´Tam o´Shanter´. Schon gleich zu Anfang serviert Burns die Moral der Geschichte: "Ach Tam! Wärst du bloß schlau und hörtest auf deine Frau"




Aber nein, Tam betrinkt sich nach einem ereignisreichen Markttag in Ayr mit seinen Kumpels und macht sich erst in der Nacht auf den Weg nach Hause.


Als der betrunkene Held an der Kirche von Alloway vorbeikommt, sieht er Licht in dem Gemäuer. Neugierig geworden schaut er hinein und wird Zeuge eines wilden Hexentanzes, auch der Teufel sitzt in einer Fensternische. Aber Tam kennt keine Furcht, denn ´mit Whisky nehmen wir´s gegen den Teufel auf´ - ein Bonmot von Burns, das heute noch in mancher Destille zitiert wird.
Zurück in Alloway wird der Hexentanz immer wilder und Tam verfällt ganz dem Anblick eines bildschönen Mädchens. Als Tam der ´Nannie´ zuruft, ist der Spuk vorbei und es beginnt eine wilde Flucht zur Brig o´Doon.

Den Preis für Tams Delirium muss sein braves Pferdchen Maggie bezahlen, das beim verzweifelten Trab über die Brücke seinen Schweif verliert, als Nannie ein letzes Mal das Pferd zu packen versucht (s.links). Doch Tam ist frei, weil Hexen angeblich keinen Fluss überqueren können.
Wer also abends in der Ruine mysteriöses Licht sehen sollte - es handelt sich bestimmt nicht um den Kantor bei der Orgelprobe.
[Stefan Loose - Reiseführer Schottland]



Bevor wir uns noch mit einigen Lebensmitteln für die Rückfahrt am Sonntag eindecken, machen wir noch einen besonderen Abstecher .... nach Kirkoswald zur ´Whisky-Experience´, einem ganz speziellen Shop, bei dem wir eine limitierte ´Hausabfüllung´ (max. 500 Flaschen) erstehen, wenn sie unserem Sohn nicht schmecken sollte ... wir opfern uns, denn wir konnten schließlich schon probieren. Die anderen Kostbarkeiten, die im Laden zu finden sind, sind eher unerschwinglich.

Der Shop-Manager (ein Schotte, mit italienischem Namen, der ausgezeichnet Deutsch spricht) bestätigt uns, dass man die Standard-Whiskys besser im Supermarkt (oder auch in Deutschland) kaufen kann ... nur die ´Spezialitäten´ kauft man besser vor Ort.

Am Abend ziehen sich dann die schwarzen Wolken zusammen ... wir haben auf jeden Fall tagsüber noch ganz gutes Wetter erwischt.


07.09.2013
Dafür erwischt uns dann das (Un-)Wetter am Abend bzw. in der Nacht - so ´ergiebige´ Regenfälle haben wir schon lange nicht mehr erlebt, erstaunlicherweise sind die Wiesen am Morgen in durchaus gutem Zustand. Wir haben keine Probleme bei der Abreise und auch nicht mehr während der Fahrt, die uns heute ins rd. 140 Meilen entfernte Melkridge (bei Hexham ca. 40 Meilen vor Newcastle) bringen soll. Wenn meine ´weltbeste Beifahrerin´ während der Autotouren manchmal schon etwas ´aufgebracht´ über die winzigen Straßen war, die wir teilweise befahren mussten (bzw. haben, nicht unbedingt ´mussten´), dann folgt heute doch tatsächlich eine Steigerung um lockere 100%. Zunächst müssen wir das Gespann zweimal wenden, weil die schlecht bis überhaupt nicht beschilderte Strecke zum ausgewählten Campingplatz leider falsch war, dann aber endlich das eindeutig richtige Schild.

Nur ob die Strecke dann auch die eindeutig richtige ist, das wissen wir nicht und mit jedem weiteren Yard an Strecke und besonders an Höhe
wachsen auch die Zweifel. Im ersten Gang und 4000 Umdrehungen mit dem Gespann die schmale, unübersichtliche Straße (der Begriff ist leicht untertrieben) hoch, bloß nicht stehen bleiben und hoffen, dass der Weg auch nach der nächsten Kuppe zumindest so beschaffen ist, dass wir mitsamt Anhänger da durch kommen - wenden unmöglich, also ´Augen zu und durch´ ... und tatsächlich, irgendwann taucht dann tatsächlich der ´Campingplatz´ auf ... Urlaub auf dem (nicht vorhandenen) Bauernhof inkl. freilaufender Enten und Schwalbennachwuchs.

Von hier aus machen wir dann noch einen kleinen Ausflug zum Hadrians-Wall, die Fahrt über die gut ausgebaute Straße entlang des Walls ist ein weiteres Erlebnis, derartige Hügel und Senken habe ich in meinem fast 40-jährigen Autofahrerleben noch nicht erlebt, o.k. die heutigen Achterbahnen haben Loopings und ähnliche Feinheiten, aber die Straße hier ist nicht weit davon entfernt (und ohne Anhänger ein Erlebnis).

Diese Straße hat es in sich- die Senken sind so ´eng´, dass viele Fahrzeuge am tiefsten Punkt auf dem Asphalt aufsetzen, wie man an den deutlichen Spuren im Belag sehen kann. Aber auch die Kuppen sind nicht ohne ... mit etwas Geschwindigkeit kann man sicherlich kurz abheben.

Diese Probleme hatten die Römer im 2.-5.Jh. noch nicht, der Hadrianswall war eine römische Grenzbefestigung, die zwischen Newcastle und Solway Firth, nahe der heutigen Grenze zwischen Schottland und England, angelegt war. Es wurde zwischen 122 und 128 n. Chr. auf Anordnung Kaiser Hadrians (76–138) erbaut, erstreckte sich auf einer Länge von rund 113 Kilometern, sollte den Grenzverkehr überwachen und Überfälle sowie die unkontrollierte Einwanderung schottischer und irischer Stämme auf das Gebiet der Provinz Britannia verhindern.



08.09.2013
Heute geht´s zurück zum Ausgangspunkt unseres ´Inseltrips´ - vor knapp 3 Wochen haben wir in Newcastle den Fuß auf britischen Boden gesetzt, hier werden wir England auch wieder verlassen. Ganz entspannt fahren wir die wenigen Meilen bis in die Vororte von Newcastle. Dem Internet und Google-Streetview sei Dank ... so bekommt man die Öffnungszeiten und Adressen der Lidl-Märkte (auch am So.) heraus und kann direkt kontrollieren ob der Parkplatz vor dem Supermarkt auch für unser Wohnwagengespann geeignet ist (eine Tiefgarage oder ein enger Hinterhof wären eher suboptimal). Es lebe die gute Planung, ´unser´ Lidl hat genügend Platz und wir können die letzten Einkäufe tätigen, frisch aufgebackenes Brot ... und noch ein paar ´Kleinigkeiten´ für die Überfahrt.





Wir sind natürlich überpünktlich am Hafen, aber wenn man die Abfahrt-Zeit im Nacken und darüber hinaus noch den Wohnwagen am Haken hat, dann plant man keine großartigen Aktivitäten mehr, dann will man eigentlich nur noch, dass es los geht. Es folgen ja auch noch Check-In und Zollkontrolle (man schaut sogar in die Schränke vom Wohnwagen). Wir haben unsere Höchstmengen selbstverständlich nicht überschritten, die wenigen Fläschchen Hochprozentiges reichen dafür nicht aus. Wir sind früh am Anleger und gehören wieder zu den ersten, die abgefertigt werden - also ´ab an Bord´ und dann wieder so schnell wie möglich aufs Sonnendeck, Sitzplätze sichern, bevor es voll wird.

Als letztes kommen Teilnehmer einer Oldtimer-Rallye durch Schottland an Bord. Wir betrachten das Treiben von unserem Aussichtspunkt, der ´Sky Bar´ ... das inzwischen traditionelle Bier haben wir auch schon - jetzt kann es von uns aus ruhig losgehen.

Wir verlassen den Hafen von Newcastle pünktlich und haben wieder eine ziemlich ruhige Überfahrt ... am frühen Morgen werden wir dann ´rechtzeitig´ von Lautsprecherdurchsagen geweckt.





09.09.2013
Und das war´s dann auch schon wieder ... monatelang wartet man darauf, dass der Urlaub beginnt, plant, genießt die Vorfreude - und dann ist es soweit ... nur wenn die ´Urlaubs-Uhr´ einmal beginnt zu ticken, dann geht alles ganz schnell, viel zu schnell. Auf jeden Fall scheinen die Urlaubstage wesentlich schneller zu vergehen als vorher die Wartezeit. Was bleibt, sind die Erinnerungen, die Eindrücke von denen viele hier (und natürlich im Fotobuch) festgehalten sind.

Hier noch einmal der ´Gesamtüberblick´ über unsere Tour - angefangen von dem ´kleinen Stück´ bis nach Amsterdam, im Anschluss die Mini-Seereise bis nach Newcastle und dann die Autotour rund um Schottland.







Fazit:
Viel gesehen, viel ´erfahren´ ... ja ´fahren´ ist ein Thema. Weniger der Linksverkehr - solange man im eigenen Auto sitzt und nicht zusätzlich durch die Bedienung (wie es ja bei einem fremden evtl. rechtsgelenkten der Fall wäre) abgelenkt ist, ist das Ganze eigentlich gar nicht so wild. Zum einen sind wir ja nun nicht zum ersten Mal mit dem Auto auf der ´Insel´ gewesen, zum anderen zwingt der ungewohnte Verkehr dazu, viel ´bewusster´ zu fahren als hierzulande, wo vieles eben Routine ist. Hinzu kommt, dass man im United Kingdom viel entspannter fährt und die Aggressivität, die auf unseren Straßen sehr häufig vorhanden ist, dort fehlt.

Nun, wir sind viel gefahren - viel mehr als wir geplant oder geschätzt hatten. Das liegt einerseits daran, dass die Entfernungen in Schottland doch etwas ´weitläufiger´ sind, zum Einkaufen fährt man dann doch schon mal 25 Meilen oder mehr. Und dann kommt hinzu, dass die ´Meile´ eine ganz unglückliche Maßeinheit ist. Man nimmt zwar die Entfernung auf dem Straßenschild mit ´20´ wahr, hat aber nicht verinnerlicht, dass es sich (umgerechnet) um 30 km handelt. Die 20 hat man nun im Kopf und ungefähr im Gefühl, wie lange man für eine Strecke von 20 km braucht - und dann wundert man sich, dass man noch nicht angekommen ist und noch 10 km (oder 50% mehr) vor sich hat. Es wäre also besser, die Entfernungen direkt in km anzugeben, dann hätte man ein gebräuchliches Maß und könnte ungefähr abschätzen, was man noch an Strecke so vor sich hat.
Mit den ganzen Tagestouren sind es dann letztendlich gut 2.200 geworden ... Meilen und das sind dann doch rund 3.300 Kilometer. Wir haben uns ein wenig gewundert, die ´Anreise´ war nicht so lang, aber der ´Rest´ war dann umso länger und weiter. Derartige Strecken haben wir sonst nur, wenn wir bis zum Mittelmeer und zurück fahren. Trotzdem hat es uns natürlich nicht leid getan, auch wenn wir eine erneute Schottland-Tour wohl anders planen würden.


Die Nord-(Ost)-Küste [Aberdeen - Portsoy - Inverness] war ... natürlich auch wegen des Wetters ... nicht sooo spannend wie die spätere Westküste mit Skye oder die ´richtigen´ Highlands rund um den Ben Nevis. Darüber hinaus hatten wir letztendlich zu wenig Tage für zuviel Schottland - weniger wäre da vermutlich mehr gewesen. Abgesehen davon gibt es noch so viele ´weiße Flecken´ auf der schottischen Landkarte, das reicht noch für einige Urlaube und Touren. Fazit: Wir sind noch nicht satt !